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1974/11/10
Kronen Zeitung
Kultur
Erwin Melchart
Der-Schock-der-aus-dem-Alltag-reisst
Der Schock der aus dem Alltag reisst
Galerie Spectrum: Helnwein-Aktion und neue Bilder
Kinder mit verbundenen Köpfen tappen durch die Kärntner Strasse. Eine ältere Dame fragt besorgt: "Was hast du denn? Fehlt dir was?" Die meisten sehen erstaunt und befremdet, beunruhigt und für kurze Zeit aus dem Alltagstrott gerissen auf den jungen Arzt, der eben ein Kind zu einem bereitstehenden Taxi trägt: Malschocker Gottfried Helnwein, erfolgreicher 26jähriger Hausner-Schüler demonstriert spielerisch am lebenden Objekt.
Aktion White Children
1974
Wer Helnweins nicht gerade für die Wohnzimmeridylle gemalte Welt kennt, kann sich die ratlose (und beabsichtigte) Verunsicherung der Passanten bei der "Public-Action" vorstellen. Doch bald herrschte wieder Konsumentenfröhlichkeit und Nach-der-Arbeit-Stimmung, der Spuk verbunener Kinderköpfe trollte sich wieder, und die kleinen Statisten des Verunsicherungsspiel wurden zur Ausstellungseröffnung feierlich von Pflaster und Mullbinden befreit.
Treibt Helnwein billige Scherze mit berechtigtem Entsetzen? - Das wäre zu einfach. Dem Penibel-Maler ist es mit seinen psychisch-sozialen Verunsicherungsanliegen wesentlich ernster, die Peinlichkeit des "Betroffenseins" ist psychisches Ziel, die minuzlöse Darstellungsweise des Arzt-sohnes und "Medizinalschockers" nur äußerst gut wirkendes Mittel zum Zweck: Oder wird nicht viel "korrigiert" an unserer eigenen und an der Entwicklung unserer Kinder, physisch oder psychisch, spürbar oder unbewußt, beabsichtigt oder scheinbar beiläufig - so wie an Helnweins gezeichneten Kindern viel "korrigiert" wird, so wie an Helnweins "Tochter des Schlurfs" die blanke Gewalt ungestraft bleibt, selbstverständlich recht und Oberhand behält.
Helnweins Bilder sind nicht (nur) "grauslich schön" oder "schön grauslich", sondern in erster Linie zum Überdenken. Die Gefahr einer "Korrektur" lauert überall...




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