イベントカレンダー
1987/05/14 - 1987/07/26
Kunstforum Länderbank
Vienna
Klaus Albrecht Schröder
Walter Koschatzky
Die-laedierte-Welt-Realismus-und-Realismen-in-OUsterreich
Die lädierte Welt - Realismus und Realismen in Österreich
Das Vordergründige ist das Abgründige, Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
Kunstforum Länderbank, Wien, 14. Mai bis 26. Juli 1987 Musée d'Ixelles, Brüssel, 18. September bis 13. Dezember 1987
DAS VORDERGRÜNDIGE IST DAS ABGRÜNDIGE
Klaus Albrecht Schröder
Ausstellung "Die lädierte Welt", Realismus und Realismen in Österreich
Kunstforum, Wien
Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
Es läßt sich schwerlich leugnen, daß die Aggressions- und Verletzbarkeitssymbolik von Helnweins bekanntem, mehrfach variierten Selbstportrait mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund etwas von einer selbstevidenten Metapher für eine elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz hat.
Die semantische Unbestimmtheit des im Schrei sedimentierten Schmerz- und Widerstandsaffektes läßt eine Verschiebung zum berechenbaren Effekt hin, der die emotionale Sympathie des Betrachters sucht und findet, erkennen.
Das elementar Packende der Trivialmythe, nicht die kaum zu überschätzende Geschäftstüchtigkeit des Malers erklärt die immense Verbreitung der Bilderfindung.
Die allgemeine Verständlichkeit von Helnweins Bildern beruht vorerst schlicht an seiner Aneignung der Ästhetik des alltäglichen Lebens und der ihr zugrunde liegenden Trivialität.
Die nicht zuletzt in den massiven Ablehnungen manifeste Wirkung der Bilder geht über bloße Verständlichkeit hinaus. Das ästhetische Subjekt vermag stellvertretend für das gesellschaftliche Gesamtsubjekt zu stehen, eben kraft der fehlenden politischen Definition der Angst, des Schmerzes, des Leides; kraft der Rückübersetzung sozialer Zwänge und Ängste in psychische.
Dabei kann sich Helnwein gerade in Osterreich auf eine in beinahe jeder katholischen Kirche Österreichs vorhandene Aggressionssymbolik gegenreformatorischer Kunst berufen.
Neben dem Aufgreifen dieser österreichischen Tradition ist zu berücksichtigen, daß sich Helnweins Selbstthematisierungen mit der Visualisierung der Autoaggression auch noch einem anderen Bedeutungshorizont öffnen.
Diese Selbstportraits sind Unternehmungen, die die Möglichkeiten des intensivsten Ich-Erlebnisses ausschöpfen. Sie sind Symptome eines Hungers nach Intensität, wie er nur in einer völlig abstrakt gewordenen, total verwalteten Gesellschaft entstehen konnte.
Sie sind Kompensationen eines Defizites, das üblicherweise durch intensive Hörerlebnisse - exemplarisch bei Rock- und Popkonzerten - abgedeckt wird.
Musik und Kunst als Wiedergewinnungsstrategie, sich selber spüren zu können.
Self-Portrait 29
mixed media (oil and acrylic on canvas), 1991, 210 x 140 cm / 82 x 55''




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