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2006/03/09
Oberösterreichische Nachrichten
Irene Judmayer
Von der Faszination des Grauens
Konsequent und virtuos
Technische Meisterschaft und auch die Konsequenz einer packenden sozialkritischen Thematik offenbaren sich in dieser Ausstellung: Gewalt, Schmerz, Verletzung werden dargestellt. Den Körper ebenso wie die Psyche betreffend. Helnwein dokumentiert hier in Linz einen künstlerischen Reifegrad, der eine weitere Steigerung kaum vorstellbar macht. Seine Eingriffe sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie weit über die großen Bildformate hinaus den Raum und sein Publikum ergreift.
Face it, Gottfried Helnwein solo show, Lentos Museum of Modern Art, Linz
2006, Gottfried Helnwein, solo show, Lentos Art Museum, Linz
"Meine Kunst ist ein Dialog", sagt der aus Wien stammende Künstler Gottfried Helnwein bei seiner aktuellen Ausstellung im Linzer Kunstmuseum Lentos. Ein Dialog, der aufgrund seiner emotionalisierenden Thematik kein Kunstwissen braucht, um verstanden zu werden.
Bandagen schnüren den zarten Kinderkopf zum unförmigen Klumpen. Pflaster zwängen die Lippen auseinander. Hochglänzende medizinische Gerätschaften bohren sich durch Mullbinden, zerren brutal an Mundwinkeln, Augen, Haaren, Nasenlöchern.
Jemand grinst Sie an. Aus einem Gesicht, das kaum mehr als solches zu erkennen ist: Brandwunden, Narben, verschobene Haut. Daneben eine teutonische Madonna, das nackte Kind auf den Knien. Rundum Männer. "Epiphanie" heißt das Bild, "Anbetung der Könige".
Es wär' nicht von Gottfried Helnwein, wär' die Idylle nicht radikal gebrochen. SS-Männer zollen statt der Weisen aus dem Morgenland dem Gebärtier und dem zukünftigen Kanonenfutter ihren Tribut.
Bizarre Szenen, mitunter in Kombination mit berühmten Comic-Figuren (Donald Duck, Micky Maus) und Spielzeug. Das hat einen Zynismus, der erschüttert. Dieser Bildwelt des Gottfried Helnwein kann sich keiner entziehen. Dermaßen perfekt inszeniert, kippt das Grauen in die Faszination.
Vierzig solcher, überwiegend großformatiger, Arbeiten sind ab heute abend als Werkschau im Linzer Kunstmuseum Lentos zu sehen. Es ist dies übrigens Helnweins erste museale Ausstellung in Österreich, seit er im Jahr 1985 sein Heimatland verlassen hat. Das Motto "Face it" bezieht sich auf die Schwerpunktsetzung dieser Präsentation: das Gesicht.
Viele der in Linz ausgestellten Werke kennt man schon von seinem gewaltigen Arrangement in der Dominikanerkirche Krems (1999): einige der "Engel" (Totgeburten) ebenso, wie "Feuermensch", "Glückspilz" etc.
Konsequent und virtuos
Man begegnet aber auch Aquarellen aus den frühen 70ern und aktuellen Digital-Zyklen zum Thema "Sleep" und "Marylin Manson" aus den letzten zwei Jahren. Technische Meisterschaft und auch die Konsequenz einer packenden sozialkritischen Thematik offenbaren sich in dieser Ausstellung: Gewalt, Schmerz, Verletzung werden dargestellt. Den Körper ebenso wie die Psyche betreffend.
Überfordert
Helnwein dokumentiert hier in Linz einen künstlerischen Reifegrad, der eine weitere Steigerung kaum vorstellbar macht. Seine Eingriffe sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie weit über die großen Bildformate hinaus den Raum und sein Publikum ergreift. Leider ist "Face it" bis auf minimale Ausnahmen auf den großen Ausstellungssaal reduziert. Bei fast vierzig Großformaten ergibt das eine quantitative Dichte, deren inhaltliche Präsenz viele Betrachter restlos überfordert.
Gottfried Helnwein
geb. am 8. 10. 1948 als Sohn eines Postlers in Wien. Nach Klosterschule und Graphik-HTL Studium an der Kunstakademie. Ab 1970 hyperrealistische Bilder Verwundeter/ Bandagierter. 1985 übersiedelt in die BRD, 1997 nach Irland, seit 2002 parallel Atelier in Los Angeles. Zahlreiche Bühnenbilder und Ausstellungen, u.a. Albertina, LA, Tate Gallery etc. Technik: Malerei, Zeichnung, Fotos, Digi-Prints gemischt.







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