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2016/01/16
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Wien
Tod-als-kuenstlerisches-Ereignis
Tod als künstlerisches Ereignis
Gottfried Helnwein erinnert sich an David Bowie
Er war einer der letzten Giganten einer grossen musikalischen Kultur, die in den 60er und 70 Jahren ihren Höhepunkt hatte, und mittlerweile wie eine längst vergangene Epoche aus einem vergangenen Jahrhundert anmutet. Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison sind lange tot und ihre Kunst ist inzwischen einem alles erstickenden Brei aus Trash und Mainstream-Kommerzscheisse gewichen. (Justin Bieber: “God put me on this earth to make music” Hendrix: “No, I didn’t”)
Es war 1991 in Los Angeles. Irgendjemand hatte uns mit einander bekannt gemacht, und wir trafen einander ein paar Monate lang immer wieder.
Er war ein Renaissance-Mensch, umfassend gebildet, intellektuell, und sehr informiert was bildende Kunst betraf, was bei Rockstars nicht immer die Regel ist. Er hat Kunst, Musik und Design studiert,  er war sehr interessiert an der  deutschen und österreichischen Gegenwartskunst, vor allem am Wiener Aktionismus, und er kannte meine Arbeiten.
Man sieht diese Verwandtschaft auch in seinem letzten Video. Diese Bilder erinnern ein bisschen an meine bandagierten Selbstportraits, und das ist gut so.  Picasso sagte: Schlechte Künstler kopieren, geniale Künstler stehlen. Und David Bowie war ein genialer Künstler. Es ist eine Ehre, dass er sich möglicherweise von meiner Arbeit  inspirieren ließ.

Er war ein wunderbarer Gesprächspartner, down-to-earth, eloquent, sensibel, humorvoll und ohne jegliche Allüren.
Ich habe das immer wieder erlebt, dass Künstler, die in ihrer Kunst besonders radikal, extrem und exzessiv sind, in der persönlichen Begegnung meist äusserst kultiviert, feinfühlig, bescheiden und von einer geradezu altmodischen Höflichkeit sind.

Ich habe ihn dann für meine Fotoserie “Faces” fotografiert. Er war geduldig und gelassen, obwohl die Sitzung mehrere Stunden gedauert hat. Ich habe bei dieser Serie bewusst auf jede Vorbereitung und jede Inszenierung  verzichtet. Das Medium war  Fotografie, Kleinformat (35 mm), in der Regel schwarz/weiss, und nur auf das Gesicht beschränkt. Ich wollte dass das Ergebnis aus der Annäherung, dem Dialog entsteht. Ich wollte keine Pose, es ging nur darum, im richtigen Augenblick abzudrücken.

David Bowie hat sich immer die Freiheit genommen, das zu tun, was für eine bestimmte Lebensphase wichtig war.
Wenn er etwas zu sagen hatte, hat er es getan, wenn nicht, hat er geschwiegen.

Er war einer der letzten Giganten einer grossen musikalischen Kultur, die in den 60er und 70 Jahren ihren Höhepunkt hatte, und mittlerweile wie eine längst vergangene Epoche aus einem vergangenen Jahrhundert anmutet.
Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison sind lange tot und ihre Kunst ist inzwischen einem alles erstickenden Brei aus Trash und Mainstream-Kommerzscheisse gewichen.
(Justin Bieber: “God put me on this earth to make music” Hendrix: “No, I didn’t”)

Wir leben in einer Endzeit, dem Untergang der westlich- abendländische Kultur.
Der Tod David Bowies ist ein ähnlich grosser Verlust, wie der John Lennons, und Teil dieses kollektiven Sterbens.

David Bowie war ein grenzüberschreitender Künstler, er hat mit seinem Image, seiner Identität gespielt, und mit den Geschlechterrollen. Er hat  sich immer wieder neu erfunden, und er hat damit viele andere Künstler inspiriert.
Sein Körper war immer Teil seiner Kunst, Material seiner Performance, wie bei Andy Warhol.
Er war konsequent bis zum Ende, und so hat er auch seinen Tod als künstlerisches Ereignis inszeniert.
Es war grandios und elegant, wie er sich verabschiedet hat.
Wie immer auf höchstem Niveau, im Leben wie im Tod.








David Bowie's last video 'Lazarus'
2016
David Bowie's last video 'Lazarus'
2015
David Bowie's last video 'Lazarus'
2016










David Bowie, Gottfried Helnwein, Los Angeles
1991




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