Helnwein ( texte )
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Mitchell Waxman
Jewish Journal, Los Angeles

"The most powerful images that deal with Nazism and Holocaust themes are by Anselm Kiefer and Helnwein, although, Kiefer's work differs considerably from Helnwein's in his concern with the effect of German aggression on the national psyche and the complexities of German cultural heritage. But Kiefer and Helnwein's work are both informed by the personal experience of growing up in post-war German speaking countries...
William Burroughs said that the American revolution begins in books and music, and political operatives implement the changes after the fact. To this maybe we can add art.
And Helnwein's art might have the capacity to instigate change by piercing the veil of political correctness to recapture the primitive gesture inherent in art."


Senator Martin Mansergh
Irish politician, architect of the "Good Friday-agreement"

"Austria has been one of the main hubs of European culture, especially in music and art. The artists are not always conventional or conformist. Like the recent Nobel Prize winner for literature, Elfriede Jelinek, some of Helnwein’s work, which takes an uncomfortable look at Austria’s past and the unhealthily close relationship between Church and Sate in the Nazi era, has caused controversy.
I think we should be in no doubt that we are in the presence of the work of an artist of exceptional stature."


Elisabeth Gehrer
Austrian minister for education and culture

"Ihre Bilder haben in mir sehr tiefe Eindrücke hinterlassen.
Um ehrlich zu sein - sie haben mich schockiert.
Ich habe lange darüber nachgedacht und schlussendlich gefunden, dass es wichtig ist, dass Menschen mit derartigen Bildern konfrontiert werden und damit auch zum Nachdenken angeregt werden."


Dr. Margot Käßmann
Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands

"In einer bewegenden Ausstellung im Wilhelm Busch Museum in Hannover waren Bilder des Österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein zu sehen. Eines seiner Blder zeigte ein Mädchen mit frechem Gesicht und Blindenband um den Arm, das die Zunge herausstreckt. Erst habe ich gelächelt. Wer den Blick länger verharren lässt, sieht, dass dem Mädchen Blut zwischen den Beinen herunterläuft. Es wurde ganz offensichtlich missbraucht, ihm wurde Gewalt angetan.... Ja, Kinder sind verletzbar. Kindheit kann grausam sein, wenn Kinder ausgeliefert sind. Ich denke an sexuellen Missbrauch, eine unglaublich Form von Folter an Menschen, die lebenslang an dem Trauma leiden werden. Ich denke an Kindersoldaten in Togo, im Kongo, im Sudan. Zerstörte Leben, brutal geopfert für idiotische Machtkämpfe, in denen Zerstörung das oberste Gebot ist, in denen es keine Ziele mehr gibt. Ich denke an Kinder in Indien, die schuften schon mit fünf Jahren um ein paar Münzen zu verdienen, damit ihre Familie überleben kann. Ich denke an die 12-jährigen Judith Wischnajatskaja, die im Juli 1942 in ihrem letzten Brief schrieb: “Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von Dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebendig in die Grube geworfen.“"


Antje Vollmer
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

"Helnweins Bilder schockieren - Sei es durch die drastische Darstellung des herrschenden und beherrschten Menschen, durch die Demontage herkömmlicher und gefälliger Bildwelten.
- Oder liegt die Ursache für die schockhafte Reaktion nicht im Betrachter selbst?
Helnwein ist ein überaus politischer Künstler, nicht durch große Reden sondern allein durch die Aussage seiner Kunst. Deshalb ist seine Arbeit wichtig, gerade in einer Zeit, in der sich Künstler oftmals nur noch auf die Spaß-Kultur beschränken.
Immer wieder sind es Kinder, die als Opfer gesichtslos, taub und blind, auf der anderen Seite als Hoffnung stehen und so in aktuellen und älteren Werken polarisieren. Helnwein provoziert, aber bewegt zugleich.
Einer, der viel zu sagen hat, indem er es nicht sagt."


Gregory Fuller
Kunsthistoriker

"Das Gewaltthema und das Thema "der als Opfer" setzten sich von Beckmanns früher Arbeit von 1907 bis zum heutigen Tag fort. Bei Bruce Naumann, Marcel Odenbach, Jeff Wall und Gottfried Helnwein wandeln sich zwar die künstlerischen Mittel radikal, nicht aber das Thema selbst.
Helnweins faszinierendes Oeuvre umfaßt absolute Gegensätze. Helnwein ist ein Künstler der kompromißlosen Aussagen: Das Triviale, etwa der Disneykultur, wechselt ab mit Untergangsvisionen der Seele, die Göttlichkeit des Kindes kontrastiert mit Horrorbildern von Kinderschändung. Sein Grundthema aber bleibt die Gewalt, das physische und seelische Leid, das ein Mensch dem anderen zufügt."


Peter Gorsen
Kunstwissenschaftler, Wien

"Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung.
Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit. "


Stella Rollig
Direktorin, Kunstmuseum Lentos Linz

"In memory of the children of Europe who have to die of cold and hunger this Xmas“, schreibt der nach London emigrierte österreichische Maler Oskar Kokoschka im Winter 1945 auf den Entwurf zu einem Plakat. Auf eigene Kosten lässt er 5000 Stück drucken und in U-Bahn-Stationen affichieren.
- Im Spätherbst 1988 montiert der ins Rheinland emigrierte österreichische Maler Gottfried Helnwein entlang einer 100 Meter langen Wand zwischen Kölner Dom und Museum Ludwig eine Reihe von vier Meter hohen Fotodrucken mit Kindergesichtern. Er nennt die Arbeit „Selektion (Neunter November Nacht)“. Es ist ein Werk von monströser Aussage und schmerzhafter Wirkung. Sein Titel ruft den Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht in Erinnerung, durch ihn gibt Helnwein den Kinderporträts ihren beinahe überwältigend erschütternden Effekt.
Während wir mit Gottfried Helnwein seine Ausstellung für das Lentos Kunstmuseum vorbereiten, recherchiere ich gleichzeitig für ein anderes Projekt über Kokoschka. Die Geschichte der Londoner Plakate ist mir neu. Unbeabsichtigt und unerwartet blenden sich die beiden Künstler-Leben für einen kurzen, berührenden Moment ineinander. Mit beträchtlichem Einsatz an Gestaltungskraft, Kommunikationsfähigkeit, organisatorischer Erfahrung, Umsetzungsenergie und finanziellen Mitteln widmen sich beide Künstler aus gegebenem Anlass einem Appell: Zur Erinnerung!"


H.C.Artmann
Poet

"Einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will.
er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden. "


Moritz Wullen
Leiter der Staatlichen Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie Berlin

"Die Zurschaustellung des eigenen Körpers als Verwesungsmasse beginnt mit den Selbstporträts von George Grosz als Suizidgestalt im Kaffeehaus und reicht über die wie durch den Fleischwolf gedrehten Konterfeis eines Francis Bacon bis hin zur Leichenfledderei am eigenen Leib bei Günter Brus, Kurt Kren oder Frank Tovey, dem jüngst verstorbenen Enfant terrible der experimentellen New-Wave-Szene der 1980er Jahre. Die Befreiung des melancholischen Bewusstseins durch den Tod bietet keine philosophische Perspektive mehr. Es ist ihm ohnedies schon anheim gefallen. Stattdessen wird der Suizid in einer Performance masochistischer Selbstverstümmelung kultisch sublimiert.
In einer fotografischen Inszenierung Gottfried Helnweins erhebt sich der Künstler, fäulnisschwarz und monumental wie das Mahnmal einer letzen Einsicht: “So ist Verzweiflung, diese Krankheit im Selbst, die Krankheit zum Tode. Der verzweifelte ist todkrank. Der Tod ist nicht das letzte der Krankheit, aber der Tod ist in einem fort das Letzte. Von dieser Krankheit erlöst zu werden durch den Tod ist eine Unmöglichkeit, denn die Krankheit und deren Qual und der Tod ist gerade, nicht sterben zu können.”

So ist die Geschichte der Moderne nicht zuletzt auch eine Erfolgsgeschichte der Melancholie und des Eindringens ihres schwarzen Spuks in die letzten Paradiese des Seins- und Weltvertrauens. "


Peter Murray
Director of the Crawford Municipal Art Gallery, Cork

"His paintings represent a fusion of historic and contemporary artistic practices, uniting the Romantic aesthetic of Caspar David Friedrich, the political radicalism of Viennese Actionists and the technical
precision of the photorealists of the 1970’s. Although often based on photographs, or inspired by film stills, his paintings are built up in fine layers of traditional oil paint and represent a degree of
technical accomplishment rarely seen in European academies. He uses this technical accomplishment and finesse to carry across the strong political message contained in his art."


Sean Penn
Actor, Director

"It has been described that the artist's place on the planet is to be the canary that's sent down into the coal-mine to sniff out whether the air down there is poisonous. And if the canary comes up alive we can all go there. It takes a particular canary to sniff that out, and I think Gottfried Helnwein keeps coming back up to the surface no matter how poisonous the air and that gives us a lot of belief in our own ability to do it and to reconcile things."


Evgenija Nicolaevna Petrova
Chief Curator of the State Russian Museum, St. Petersburg

"The works of Gottfried Helnwein are technically classified as hyper-realism (surpassing super-realism) and at first glance are practically indistinguishable from photographs. Though realistic in terms of technique, most of Helnwein's works are characterized by metaphorical implications.
Included in all of Gottfried Helnwein's work, this basic principle demonstrates a reflection of the aesthetics of popular culture and irony, and represent Helnwein's major outlook on the world. Gottfried Helnwein is endowed with perfect pitch and distinguished sense of contemporary issues.
As a painter whose art deals with issues confronting human society, Helnwein creates a new standard of measuring modernism. "


Erika Brenken
Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt

"Die Provokationen des Künstlers sind subversiv und klammheimlich.
Sie packen den entsetzten Betrachter eben da an, wo die antrainierten Verdrängungsmechanismen sonst so gut funktionieren.
Das wird am deutlichsten bei Helnweins Kinderbildern. Zarte pastellfarbene Zeichnungen, die zum Horrortrip für den Betrachter werden. Die sanften Kindergesichter sind durch Verletzungen furchtbar entstellt. Hasenscharten, Narben, Wundmale, Klammern, Kanülen, Bandagen.
Der Anblick ist kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen tausend Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?
Ein künstlerischer Aufschrei geen die Schmerzen der Welt.
Helnwein denunziert nicht die Kinder - das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt - sondern unsere Neigung, vor dem Leiden die Augen zu verschliessen.
Der Künstler entlarvt das Bedürfnis nach heiler Welt (oft nur eine Form von Abgestumpftheit) als unmoralisch, als Angst vor der Realität .
Ein Moralist mit sadistischen Mitteln."


Peter Pachnike
Curator, Ludwig Museum Schloss Oberhausen

"Die Kinderbilder erweisen sich als die eigentlichen Selbstbildnisse Helnweins."


Oscar Bronner
Herausgeber der Österreichischen Tageszeitung Standard, Gründer des Nachrichtenmagazins Profil

"Wir haben im Laufe der Zeit die wildesten Skandale dieses Landes penibel beschrieben, keiner dieser Berichte löst auch nur annähernd so eine Reaktion (wie Helnweins Titelbilder) aus. Es ist interessant zu registrieren, dass ein Bilder stärker provoziert als ein Text, dass Fiktion heftigere Reaktionen auslöst als ein Tatsachenbericht. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass die Fantasie stärker angeregt und im Unterbewusstsein Schlummerndes angesprochen wird. Hier liegt noch ein weites Betätigungsfeld für Kummunikations-theoretiker.
Wenn ich heute diese Herausgeber-Briefe lese, so überfällt mich Nostalgie. Über den Talenteschuppen profil und darüber, dass wir uns, obwohl es uns selbst nicht ganz leichtgefallen ist, mit Künstlern wie Helnwein oder Manfred Deix eingelassen haben. Ihre Power und die Aufbruchsstimmung rund ums profil haben einige Grenzen in diesem Land gesprengt."


Petra Halkes
Concordia University Montreal

"Gottfried Helnwein’s "American Prayer" (2000) has taken up residency in my mind. I began to discover a semiotic richness in this painting worthy of what W.J.T. Mitchell has called a "metapicture" - a "picture that [is] used to show what a picture is". Mitchell situates the concept of metapicture in "'iconology', the study of the general field of images and their relation to discourse," thereby cutting across Greenbergian self-reflexivity into an expanded context that includes popular culture as well as contemporary art. In this wider cultural field, a metapicture does more than reflect on the nature of the picture itself and calls into question "the self-understanding of the observer". I will argue that "American Prayer" derives its theoretical relevance partly from its concealed hybridity, from the interplay between technological media and painting. In this work, the substitution of one medium by another reinforces the meaning that can be created from the iconographic substitution of the child by Pinocchio, and the replacement of the deity by Donald. In the end, Donald’s sideways glance at us indicates that this picture is really about us, the observers; it questions our own place in a cultural web of illusionism spun from the abiding human desire to overcome death."


Thomas Edlinger
Art-critic, writer

"Helnwein verbirgt eine mögliche seelische Aufgewühltheit oder Traumatisierung seiner Bildmodelle, die beispielsweise durch die schwarzen, faschistoid und fetischisiert zugleich wirkenden Uniformteile nahe gelegt werden könnte, hinter dem gesetzten Ausdruck seiner Kindergesichter. Wie Laokoon schreien diese wie aus Wachs gemeißelten, „schönen“ Kinder nicht mehr. Sie ertragen etwas, das nicht benannt wird und doch sichtbar wird. Sie kommunizieren in ihrer Intimität eine unauslotbare Abgründigkeit. Die Irritation des Betrachters entsteht daraus, diesem Geheimnis nicht auf die Spur kommen zu können. Die Wunde soll wach gehalten werden, und keiner soll sie heilen dürfen. "


Alexander Natas
The Stiletto Projects, Copenhagen

"To me Helnwein is the ultimate humanistic artist: A conceptualist embracing the image. A virtuoso and a visionary with one eye behind the veil of the world, the other reflecting endless horror, beauty, loss, humour and melancholy - all with a steady hand. The position is supreme, the means are penetrating and the message as deep as it gets. To me the strange silent directness in Helnweins work is unrivaled, no other artist today tells the dim story of the world in a more disturbing and moving way. His work, views and perspectives are completely congruent and appeals to me in a very direct and personal way."


Robert Darmstädter und Ulrike von Hase-Schmundt
Reclams Künstlerlexikon

"Im Kampf gegen Reglementierungen und Zwänge, gegen Vergessen und Resignation weist Helnwein vornehmlich durch die Darstellung des Antlitzes des gezeichneten - oft schreienden - Menschen einen Weg, der Aufschrecken und Überprüfung zur Folge haben könnte. Dieser Zielsetzung unterwirft er die verschiedensten Mittel und arbeitet mit Serienphotos ebenso wie mit der endlosen Reproduktion der Offsetdrucks, mit Aktionen wie mit an die Grenzen des Erträglichen gehenden veristischen Bildern."




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